24 Stunden Odyssee von Spanien bis Deutschland

20161204_142841Vor 10 Tagen startete unsere Winterflucht Almeria und ich hatte mich auf diese Tour ganz besonders gefreut. Endlich wieder auf Tour in meiner zweiten Heimat und damit verbunden Glückshormone pur. Der Hinflug gestaltete sich unkompliziert und wie gewohnt, war IBERIA nicht pünktlich, es war mir egal, kannte ich nicht anders und 30 Minuten zu spät in Almeria anzukommen spielte keine große Rolle. Hauptsache ankommen und wenn dann auch noch das Gepäck dabei ist (was bei der Airline nicht immer gegeben ist), gibt es nichts zu bemängeln. Ich war da, mein Gepäck auch, das Wetter perfekt und damit verbunden war ich „angekommen“, glücklich und zufrieden. Mietwagen abgeholt und auf ging es zum Hotel. Spanien ich bin wieder hier!

Heute waren noch keine Gäste zu erwarten, am Hotel angekommen kümmerte ich mich um die Mietmotorräder, alles stand bereit und war perfekt vorbereitet für die Tour.

Ein neuer Tag, Anreisetag für unsere Gäste und die ersten Gäste trafen am späten Nachmittag ein. Dann ein Anruf von unserem Stammgast Andreas, Verspätung bei Iberia, Anschlussflug verpasst und er hing fest in Madrid. Wen wundert es? Mich nicht! Neuer Flug für ihn bis Granada mit Ankunft 23:30 Uhr, Transfer bis Almeria, Taxi bis zum Hotel und 3:00 Uhr war auch er endlich im Hotel angekommen. Ach IBERIA, ihr seid so tolle Künstler bei eurer Planung, besser gesagt: „Ihr habt keinen Plan“! Leider seid ihr die einzige Airline, die bis Almeria fliegt und könnt euch das Recht herausnehmen, so mit den Passagieren umzugehen.

Hier mein Hinweis in eigener Sache: Unsere Winterflucht Almeria ist die Reise wert, auch wenn nicht immer alles perfekt funktioniert (das bezieht sich rein auf die Airline mit ihren Flügen), manchmal funktioniert es, manchmal eben nicht. Es tut nicht weh nachts verspätet anzukommen, es bedeutet vielleicht ein paar Nerven mehr und ein paar Stunden weniger Schlaf, aber dafür sind wir in Spanien bei bestem Wetter und Urlaubsfeeling pur.

Am nächsten Tag ein spätes Frühstück, stressfreie Übergabe der Motorräder und los ging es auf Tour. Wer mit uns in Spanien bereits auf Tour war, kennt das, wer noch nicht mit und in Spanien auf Tour war, sollte das vor seiner Buchung wissen. Wir sind hier in einem Land, wo die Zeit ein wenig anders tickt, genauso „ticken“ auch wir. Es ist euer Urlaub und den wollen wir frei von Zeitzwängen verbringen, wenn es mal 10 Minuten später wird, dann ist es eben so, wir haben die Zeit ohne deutsche Zwänge, und sie lässt sich hier auch gern mal abschalten. Es kommt nicht auf 10 Minuten an, es kommt darauf an, dass wir euch das bieten, was wir mit der Tour versprechen und wenn wir erst 18:00 Uhr im Hotel ankommen, bleibt immer noch genug Zeit bis zum Abendessen, vor 20 Uhr gibt es in Spanien eh kein Essen.

Die Tourentage vergingen wie im „Flug“ (es ist nur ein Sprichwort, denn ein Flug kann erfahrungsgemäß weitaus länger dauern, wie es gleich folgen wird). Das Wetter spielte gerade verrückt, es gab Tage da konnten wir erst mittags starten aufgrund von Regen, am Ende haben wir die fehlenden Kilometer an den Tagen aufgeholt, wo es das Wetter gut meinte und schnell wurden aus 250 km auch mal 450 km. Ich bin mir sicher, dass es den Gästen gefallen hat, und hätten wir jeden Tag Sonne satt gehabt, wären wir mal satte 1000 km mehr gefahren als es die Tour vorgibt.

An dieser Stelle gilt mein Dank der Gruppe, die alles mitgemacht hat, die nicht genug von den wunderbaren Strecken bekommen konnte und für die ich mir jede Menge „kurvenreiche Umwege“ einfallen lassen musste, damit wir nicht schon frühzeitig wieder im Hotel waren. Es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht, ich konnte mit euch Strecken fahren, die ich so sehr liebe und nicht wirklich ein Bestandteil der Tour waren. Zur Erklärung: Normalerweise starten wir 10 Uhr, fahren ca. 250 km am Tag und sind gegen 18 Uhr zurück im Hotel. Bei dieser Tour sind wir 12 Uhr gestartet, haben 450 km abgespult und waren dennoch 18 Uhr zurück 🙂

Wie bei jeder Tour kommt der Tag, wo es heißt Abschied zu nehmen und wo wir die Rückreise nach Hause antreten. Auch für mich war dieser Tag gekommen. Abflug Almeria 13:45 Uhr. Rechtzeitig am Flughafen angekommen, eingecheckt, Boardingtime 13:15 Uhr. Boardingtime bei IBERIA wird überbewertet, nichts Neues für mich. 13:15 Uhr: kein Flieger in Sicht, am Ende landete der Flieger aus Madrid 13:45 Uhr, schnelles Ausladen und Einladen und 30 Minuten später startete mein Flieger nach Madrid.

Mit diesem Flug begann für mich eine Odyssee der feinsten Art, braucht kein Mensch, ich war mitten drin und konnte nichts daran ändern. Zu spät gestartet, zu spät in Madrid gelandet, 15 Minuten Zeit für den Anschlussflug, zu wenig Zeit, wenn du noch mit der U-Bahn zum nächsten Terminal musst. Ich rannte so schnell es ging, es hat nichts genutzt. Das Boarding war „closed“, ich war völlig außer Atem, kann mich nicht erinnern, dass ich jemals ein Fitnesstraining dieser Art bewältigt habe, Rennen, Sprints über Rolltreppen und am Ende war alles umsonst, nass geschwitzt und atemlos stehst du am Gate und gelangweilte Mitarbeiter erklären dir: „Du kommst hier nicht mehr rein“. Ich hätte kotzen können, was hilft es dir?  Nichts!

Es gab den Verweis auf den Customer Service von IBERIA, lieber Gast kümmere dich. Habe ich getan. Von Terminal 4 zu Terminal 4 S, von dort zurück zu Terminal 4 und am dritten Schalter fühlte sich dann eine Mitarbeiterin endlich zuständig für mich. Es gab nur noch einen Flug nach Düsseldorf heute Abend, da könnte ich mitfliegen und mein Gepäck auch. Wow, wie toll! 3 Stunden später saß ich im Flieger nach Düsseldorf, dort angekommen erfuhr ich, dass mein Anschlussflug nach Dresden annulliert wurde. Hallo?

Wenn es kommt, dann kommt es richtig heftig. Ok, Airberlin wird sich kümmern und ich begab mich auf direktem Wege zum Airberlin Schalter am Flughafen. Womit ich nicht gerechnet hatte und was mich komplett in die Realität versetzt hat war, dass gezählte 50 Leute vor mir anstanden. Was war hier los? Es gab Menschen, die total ausgerastet sind, ich habe Dinge gehört wie “ So eine Scheiße, ich werde zum Mörder“, die haben mich erschreckt, ich war auch nicht glücklich aber ich kann es nicht ändern, deswegen werde ich nicht zum Mörder. Manchmal ergeben sich Dinge im Leben, die wir nicht ändern können, die uns nicht gefallen, dennoch müssen wir sie akzeptieren. Ich war nicht wirklich erfreut über die Situation, ich konnte sie nicht ändern und musste sie nehmen wie sie ist. Ein junges Mädchen stand vor mir in der Warteschlange und war völlig verzweifelt, sie wollte telefonieren und nichts ging. Sie hatte Tränen in den Augen und ich fragte sie, ob ich ihr helfen kann. Sie war eine Engländerin und völlig verzweifelt, sie wollte einfach nur kurz nach Hause telefonieren um Bescheid zu sagen, dass sie später kommt, ihr Telefon versagte dabei. Kein Problem, ich half ihr aus, sie konnte nach Hause telefonieren und ich hatte ein Problem weniger.

23:30 Uhr war ich der „Patient“ am Schalter, der einen neuen Flug brauchte und eine Übernachtung. Beides habe ich bekommen, einen neuen Flug für den nächsten Tag 8:00 Uhr und eine Übernachtung im Sheraton Hotel am Flughafen. Ich bin ganz sicher nicht anspruchsvoll und erst recht nicht, wenn es nur um ein paar Stunden Schlaf geht. Dieses Hotel ist nicht einen seine Sterne wert, eine schlechte Unterkunft, unkompetentes Personal, furchtbarer Service, Renovierungsstau in den Zimmern aber immerhin Sterne, die ja für entsprechende Preise sorgen. Sorry, das Hotel ist ein absolutes „NO GO“. Ein Hotel was sich um WELTEN vom Maritim Hotel am Airport unterscheidet, das Maritim Hotel ist mein Hotel mit Wohlfühlfaktor weil hier einfach alles passt (nur so ganz nebenbei).

Frühes Aufstehen, mein Flieger nach Hause war für  8:00 Uhr gebucht. Am Flughafen angekommen, Anzeigentafel gecheckt und HALLO? Flug annulliert! Das kann nicht wahr sein! Ma wieder der Weg zum Airberlin Schalter, ein neuer Flug gebucht, ab Mittag über Frankfurt bis Dresden.

Jetzt hier herumtoben bringt auch nichts dachte ich mir, es hat alles seinen Grund, auch wenn ich den Grund für diese Bestrafung nicht wirklich erkennen konnte. Pünktlich am Gate folgte nun die Ansage, dass der Flieger 30 Minuten Verspätung hat, na ja mich wunderte nichts mehr. Meine freundliche Nachfrage am Schalter, wieviel Zeit mir dann noch für den Anschlussflug bleibt wurde mit der Aussage „14 Minuten“ beantwortet. Ok das wird wahrscheinlich mal wieder sportlich, dachte ich mir.

Endlich im Flieger sitzend, müde und kaputt von den letzten Stunden und nichts ahnend, was noch kommen sollte, versuchte ich etwas zu relaxen. Der Flug verlief ruhig, wir näherten uns Frankfurt und waren im Landeanflug. Immer mit Blick auf die Uhr und dem Bewusstsein, ich hatte ja nur 14 Minuten, auf Sitzreihe 26 eine schlechte Ausgangsposition aber ich wollte alles geben. Die Landebahn näherte sich und nur noch 2 Meter bis zur Landung, in dem Moment schüttelte es den ganzen Flieger durch, kreuz und quer, die Landebahn war auf einmal dort, wo sie nicht sein sollte. Es waren nur Bruchteile von Sekunden und der Flieger starte mit voller Kraft durch gen Himmel. Ich brauchte ein paar Sekunden um das zu realisieren und damit verbunden auch die Tatsache, dass aus 14 Minuten nun wohl Minus 14 Minuten wird und mal wieder ein Flieger ohne mich davon fliegen wird. Die Ansage des Piloten lies mich hoffen, der neue Landeanflug dauert 10 Minuten. Wow, dann bleiben mir ja noch 4 Minuten! Die Hoffnung stirbt zuletzt! Der Grund für die Aktion war, dass wir in den Abgasstrudel einer vorausfliegenden Maschine gekommen sind, da hat scheinbar jemand seinen Job nicht gut gemacht, so etwas sollte nicht passieren.

Endlich gelandet, „angedockt“ und los ging es auf heißen Sohlen. Mein Glück, dass wir genau 1 Gate neben dem Abfluggate meines Anschlussfliegers angekommen sind. Hier wurde auf uns gewartet, das nenne ich doch mal Service bei Lufthansa, bei Iberia habe ich das nie erlebt, hier gilt, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Fix und fertig von den letzten Stunden landete mein Flieger in Dresden. Ankunft 13:55 Uhr, vor genau 24 Stunden bin ich in Almeria gestartet und war froh endlich angekommen zu sein. Ich hatte nicht die Hoffnung, dass mein Gepäck es auch geschafft hat, umso mehr war ich verwundert, als meine Reisetasche tatsächlich auf dem Gepäckband lag. DANKE LUFTHANSA für diesen super SERVICE!!!

Den Temperatursturz von Spanien bis Deutschland habe ich nicht wirklich wahrgenommen. Ich war froh dass diese Odyssee endlich zu Ende war, ich freute mich einfach nur auf mein zu Hause.  Dort angekommen habe ich erst einmal 2 Stunden Schlaf genossen, alles andere konnte warten, morgen ist auch noch ein Tag 🙂

Mein Fazit: Das Leben ist schnell und wir sollten es entschleunigen, wenn wir das tun dann wollen wir das selber in die Hand nehmen. Manchmal wird es uns aus den Händen genommen und wir müssen damit leben. Dann tickt die Uhr anders als wir wollen. Ich habe all das nicht gewollt und nun gilt es die Zeit aufzuholen, die mir unfreiwillig genommen wurde. Das beschleunigt nun noch mehr. Wir sind abhängig von all dem was um uns herum geschieht und können viele Dinge nicht beeinflussen. Wir brauchen sie, wir nutzen sie und das macht uns verletzbar, wenn diese Dinge nicht funktionieren. Das Leben geht dennoch weiter, für mich, für die Mitarbeiter der Airlines und ich werde auch weiterhin fliegen. Ohne Flüge werden wir die Welt nicht erobern können, nicht um in kurzer Zeit große Distanzen zu bewältigen.

Mein Fazit: Hab immer eine Zahnbürste dabei und ein kleines Deo im Handgepäck, dann lassen sich auch mal 24 Stunden überstehen 🙂

In dem Sinne freue ich mich heute schon auf meinen nächsten Flug nach Almeria, bin vorbereitet und nichts wird mich aus der Bahn werfen. Sagt sich so einfach, ich halte euch auf dem Laufenden 🙂

Eure Manuela

Die Bilder zur Tour gibt es hier.

 

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