Andalusien aus Sicht einer Teilnehmerin

IMG_5441Nicht nur wir können schreiben, auch unsere Gäste können es. Im März sind wir in Andalusien in die Saison gestartet, mit dabei war Dagmar und nachfolgend findet ihr den Reisebericht von ihr. Danke an Dagmar und wir sehen uns ja bald wieder!

Andalusien – eine weitere Motorradreise und nicht die letzte
Meine ersten Kilometer, wieder auf spanischem Boden. Ich geniese das Meer, habe es nicht eilig und fahre die Küstenstrasse über Motril Richtung Almeria. Weit vor Almeria beginnen die Planenlandschaften. So weit das Auge reicht reihen sich die Gewächshäuser aneinander, ziehen hinauf in die Berge. Unschön. Das Obst und Gemüse für Europa. Quadratkilometer sind komplett abgedeckt. Man fragt sich, wie der Arbeiter in diesem Labyrinth an seine Zieltomate kommt. Ich biege also ab, hinauf in die Berge. Der östliche Ausläufer der Alpujarras. Auch hier im Hinterland, wie ich die nächsten Tage noch oft sehen werde, prägen verlassene Häuser das Strassenbild. Läden sind geschlossen, vieles steht zum Verkauf oder zur Vermietung, keine Menschen sind zu sehen, und es macht auch nicht den Eindruck, als wenn das am Samstag Mittag liegen würde. Ich hoffe, der Eindruck täuscht… Spanien ist (hier) arm geworden.

Oben in den Bergen wird es trockener. Ich nähere mich der Wüste von Europa. Bei Tabernas wurden unzählige Wild-West-Streifen gedreht. Mini-Hollywood. Fort Bravo-City. Dromedarreiten. Dahinten stehen eine paar Tipis und eine Westernkulisse wackelt im Wind. Trockene zerklüftete Berge ziehen an mir vorbei und zeichnen sich gegen den blauen Himmel ab. Ich bleibe stehen und staune in die Western. John Wayne kommt vorbei. Sergio Leone wird lebendig. Ich übernachte hier und der nächste Tag schickt mich hinauf nach Guadix. Um Meter zu machen, nehme ich erst die Autobahn, die mir schnell langweilig wird und ich biege wieder ab in die kleinen Straßen, genieße die Mandelblüte und die Weite, die erst an schneebedeckten Gipfeln endet.
Guadix, hmm, muss man gesehen haben? Es hat mich nicht tiefenbeeindruckt. Es ist nett, wie die Häuser unter der Erde liegen, wie sie nur eine Front haben. Aber das war es auch schon so irgendwie. Es ist kein Museum, keine Neanderthalerhöhle. Es sind bewohnte Häuser mit Frontwand, Haustür und ein Kamin schaut oben aus der Erde. Ok.
Ich fahre über Uraca auf 2000 Höhenmetern hinunter in den Süden und tauche in die Alpujarras ein. In Lorales werde ich ausgebremst. Meine Strecke ist gesperrt, es findet eine Auto-Rallye statt. Behelmte Menschen mit Navigationsgeräten in der Hand sitzen in ihren bunten aufgemotzten röhrenden Autos, volle Konzentration, die nächste Kurve, 30Grad, einlenken auf 9Uhr, mit 40 anfahren, reinbremsen 🙂
Auf der Panoramaterrasse im Restaurant neben der Tankstelle nehme ich ein bocadillo mit cafe con leche und studiere im T-Shirt sonnend die Karte. Faulenzend höre ich den Einheimischen zu, bis die röhrenden Rallyewagen die Straße freigeben.
Ich komme am Abend in meinem dritten Hotel an und fühle mich spontan unendlich wohl und lerne nette Leute kennen. Yep, hier darf ich eine Woche bleiben.

Nach langen späten Frühstücksrunden besteige ich täglich energiegeladen mein Bike. Ich folge meiner nun schon bekannten Hausstrecke durch die östlichen Montes de Malaga weiter hinauf in die Hochebene nach Loja. Über die A333 bewundere ich die Lage des Städtchens Iznájar am See und hätte gerne Zeit um durch die Gassen zu schluren, aber ich fahre immer weiter nördlich, bis Baena. Dort besuche ich die gläserne Produktion der Bio-Oliven-Ölmühle Núnez de Prado. Als einzigster Besucher und außerhalb der Saison darf ich überall meine Nase hineinstecken, lerne wie das besondere Tropföl Flor de Aceite gewonnen wird und kaufe danach das “beste Olivenöl der Welt”.

Leider gehen in meinen Tankrucksack nur 4×0,5l Flaschen und den hübschen Karton muss ich da lassen. Zufrieden mit meinem neuen Wissen eile ich zurück ans Meer um rechtzeitig zum Abendessen “zu Hause” zu sein. Dort verschenke ich gleich die erste Flasche an eine nette Dame (kennengelernt und Sympathie empfunden) mit der ich unter anderen die Morgen- und Abendstunden in meiner Hoteloase verbringe. Ich lasse mich einen weiteren Tag um die Kurven der Alpujarras wedeln, nach Trevelez, Pampaneira, die Orte der berühmten luftgetrockneten Schinken. Die Alpujarras bestechen durch viel viel Landschaft. Die Strassen sind perfekt. Der Verkehr beschränkt sich auf…. nichts. Die Tage ziehen mit mir dahin, ich finde tollste Strassen, manches Mal geht mir das Herz auf, wenn ich um eine Kurve komme und sich die Landschaft ausbreitet. Einmal kommen mir geradewegs die Tränen, weil es so schön ist, wie sich die Olivenhaine und die Mandelblüten unerwartet vor mir ergiesen.
Kulturschock. Der Sonntag steht an und ich muss, will, darf das Hotel wechseln. Ich trödle mich durch den Morgen, trinke noch einen Tee, rede mit den Leuten, freue mich an der Sonne und am Vogelgezwitscher, packe meine sieben Sachen, spanne auf, trödle mich über den Berg nach Fuengirola. Schock. Die Promenade ist endlos, die Menschenscharen darauf krakelen, der Verkehr stockt entlang, eine Kneipe an der nächsten, Postkarten, Farben, Laute. Hier soll ich 6 Tage verbringen? Schlimm. Ich komme aus einer Oase und habe die Tage ohne Ziel und Uhrzeit verbracht… Eher zufällig finde ich mein Hotel. Parke. Meine Tourguidin empfängt mich, da sie gerade vor dem Hotel sitzt und ich atme etwas durch. Ich bringe mein Gepäck ins Zimmer, soll wohl ankommen, parke mein Motorrad und sehe sie wieder. Sie stellt mich 2 Gästen vor und verschwindet. Spontane Herzlichkeit, wir quatschen und verstehen uns auf Anhieb. Uff, das wird schon, sage ich mir. Ich gab mir noch 2 Stunden Flip Flops mit viel lauter Musik im Ohr am Strand entlang. Ich lächelte die am garstig schauendsten Menschen an und freute mich daran, wie sich ihr Gesicht veränderte und sie auch ihre Mundwinkel nach oben zogen. Ich fühlte mich wie ein Pfadfinder, verteilte gute Laune und fühlte mich nun doch angekommen, glücklich am Meer zu sein, den Sand an den Zehen zu spüren und beschloss, dass auch diese Tage richtig sein werden.

Letztendlich hatte ich 6 geniale Tage mit diesen ganz schnell nicht mehr fremden 8 Menschen, hatte viel Spaß und jeder Kilometer und jeder Pausenstopp belohnte uns. Selbst die Abende in diesem garstigen Fuengirola waren schön. Jeden Abend saßen wir in einem anderen Restaurant und genossen satt die spanische Küche, Flamenco aus der Dose, nette Bedienungen und das Miteinander. Wir pausieren tagsüber in netten Cafes, essen lecker Tapas, besuchen die Eichelschweinchen, die den besten Schinken geben (ich mag sie freilich nur lebend), lassen Adler über uns kreisen, besichtigen in Ronda die älteste Stierkampfarena von Spanien und riechen die Kraft der Stiere.

Ich brause Pässe hinauf und hinunter, bin ein paar Tage mit tollen Leuten unterwegs und habe Spass und gute Gespräche. In Gibraltar ziehen mich die Berberaffen an der Hose, sitzen mir auf dem Kopf und ein kleines zartes Händchen hält mir ein Auge zu. In den alten englischen Tunneln im Fels von Gibraltar sehe ich den Russ der alten Kriegskanonen und schaue hinunter auf eine Stadt, die durch enge verbaute Hässlichkeit neben dem Flughafen liegt und ich denke, wer will hier freiwillig leben. Doch war es ein Wunsch einmal hier zu sein und nun bin ich hier gewesen, in England Südkolonie. Die klare Sicht zeigt mir gegenüber Marokko und die Berge und ich weiss, dass das Ziel dorthin zu biken näher rücken muss.

Am letzten Tag verliere ich meinen Personalausweis, rutschte mir wohl aus der Hosentasche (?), was mir grundsätzlich egal ist, will er denn sowieso in weniger als einem Jahr ablaufen. Jedoch, was wird die Flughafenkontrolle sagen? So nehme ich den letzten Tag, an dem mein Motorrad auch schon wieder auf den LKW verladen wird, um nach Deutschland gefahren zu werden, um die Hauptstelle der Polizei in Torremolinos aufzusuchen. Dort bequatsche ich die Polizisten, dass sie mir eine Verlustanzeige ausstellen. Ich kann es kaum glauben, wie einfach ich mit diesem Stück Papier ohne weitere Lichtbilddokumentation das Flugzeug nach Hause besteige.

Wundervolles Biken in Andalusien hinterlassen viel Freude in mir und ich weiß, ich komme wieder. Der Spaß im Frühjahr, hier die Sonne, die Straßen, die Weite, der geringe Verkehr und die Landschaften zu genießen ruft auch jetzt, nach dem zweiten derartigen Urlaub und dem vierten Mal in Andalusien, nach Wiederholung.
Und nicht zu vergessen: ich habe zwei Mal Zeit gefunden lange barfuss im Sand am Meer zu laufen, ah, das war was schön.

Danke an http://www.almoto.de!

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